Oktober 2004

Interessantes vom 8. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung e.V. am 23. + 24. September 2004 in Weimar

 
Dekubitus bei älteren Menschen: Präventive Behandlung und Häufigkeit im Krankenhaus. Ergebnisse der GIPPS-Studie
 
Neue Produkte:
Effekt der Wundauflage auf die Abheilgeschwindigkeit chronischer Wunden
Kassen haben kein Recht auf Einsicht in die Pflegedokumentation

Dekubitus bei älteren Menschen: Präventive Behandlung und Häufigkeit im Krankenhaus. Ergebnisse der GIPPS-Studie
 

Dr. med. Dr. physiol. Denk Colin

Facharzt für Rehabilitation und Geriatrie, Centre de l’Arche, Le Mans (Frankreich)
 

Im Rahmen der observativen, multizentrischen Studie GIPPS (Geriatric Incidence and Prevention of Pressure Sores) wurden an 36 geriatrischen Abteilungen die Inzidenz von Druckgeschwüren bei Krankenhauspatienten sowie der Einfluss von Hautpflegemitteln auf die Dekubitus-Prophylaxe untersucht. Für die Studie GIPPS wurden nur Zentren ausgewählt, die einen bestehenden Standard für die Dekubitus-Behandlung und die Dekubitus-Prävention nachweisen konnten und ausreichende Mittel zur Dekubitus-Prophylaxe für alle Patienten zur Verfügung stellen konnten. Die Einschätzung des Dekubitus-Risikos wurde anhand üblicher Skalen (Norton, Angers, Braden u.a.) vorgenommen.

Berücksichtigt wurden nur solche Patienten, die ein mindestens hohes Dekubitus-Risiko aufwiesen. Insgesamt wurden 1.121 Patienten mit hohem (64,1%) oder sehr hohem (34,9%) Dekubitus-Risiko und einem mittleren Alter von 84,7 ± 8,1 Jahren, jedoch ohne bei Studienbeginn bereits bestehenden Dekubitus in die longitudinale, prospektive Studie eingeschlossen. Über einen Zeitraum von 2 Monaten erfolgte eine wöchentliche Dokumentation der Dekubitus-Situation. 59,6% der Patienten wurden präventiv mit einem Hautpflegemittel behandelt (34,5% mit dem Hautpflegeöl Sanyrène und 25,1% mit anderen Hautpflegemitteln).

Die Inzidenz für das Auftreten eines neuen Dekubitus innerhalb von 2 Monaten lag bei 15,7%, wobei überwiegend die Kreuzbeinregion betroffen war. Signifikante Einflussfaktoren für das Auftreten eines Druckgeschwürs waren die initiale Einschätzung des Dekubitus-Risikos (13,2% hoch vs. 20,6% sehr hoch, p=0,001) und die Art der Inkontinenz. Patienten mit gemischter Inkontinenz entwickelten deutlich häufiger ein Druckgeschwür als Patienten, die nur unter Urin-Inkontinenz litten (17,0% vs. 9,9%, p<0,02). In der Patienten-Gruppe mit hohem Dekubitus-Risiko und ohne Behandlung mit einem Hautpflegemittel entwickelten 16,3% einen Dekubitus in der Kreuzbeinregion, während es in der mit Sanyrène behandelten Patienten-Gruppe mit nur 7,3% signifikant weniger waren (p<0,05). Von den Patienten, die mit einem anderen Hautpflegemittel behandelt wurden, wiesen dagegen bei Studienende 15,6% einen Dekubitus am Kreuzbein auf.

Durch eine logistische Regressionsanalyse konnte gezeigt werden, dass die Verwendung des Hautpflegemittels Sanyrène die Häufigkeit eines Dekubitus in der Kreuzbeinregion im Vergleich zur Nichtanwendung eines Hautpflegemittels um nahezu die Hälfte reduzieren kann (relative Wahrscheinlichkeit 0,57, p=0,04).

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Neue Produkte:
 
DerMax – ein neuartiger Entzündungshemmer?
 

DerMax ist ein mit Eichenrindenextrakt imprägnierter Wundverband auf der Basis von Acetatgewebe. Der Eichenrindenextrakt besteht aus einer Kombination verschiedener Spurenelemente (Metallionen), die auch natürlicherweise im Serum und in Wundflüssigkeit vorkommen.

DerMax normalisiert das nicht ausbalancierte (gestörte) Mikromilieu in chronischen Wunden, so dass übermäßige Entzündungsreaktionen verringert und eine normale Wundheilung ermöglicht werden. Im Gegensatz zu Kollagen- bzw. Kollagen-OCR-Wundauflagen sollen die Matrix-Metalloproteinasen (MMPs) nicht nur mechanisch abgefangen (gebunden) sondern deren Abbau initiiert werden.

DerMax ist ein Medizinprodukt von Dermagenics Europe B.V. aus den Niederlanden.

Den Vertrieb für Deutschland hat die Firma Karl Beese (GmbH & Co.) aus Hamburg übernommen.

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Hydrobalance mit XCell
 

XCell setzt sich aus vielen Lagen natürlich gewebter Fasern reinen Zellstoffs zusammen. Die Zellulosefasern stammen aus Bakterienkulturen. Die Zellulose-Wundauflage ist zusätzlich mit Wasser angereichert.

Diese Kombination aus natürlicher Zellulose und Wasser sorgt für eine Hydrobalance in der Wunde. Dort, wo das Wundbett nasser ist als die Wundauflage, werden Wassermoleküle von XCell absorbiert. Im Gegensatz dazu, werden auf Wundarealen, die trockener als die Auflage sind, Wassermoleküle aus XCell  an die Wundoberfläche abgegeben. Hierdurch kann ein optimale Feuchtigkeitsbalance zwischen Wunde und Wundauflage erzielt werden.

Der Einsatz von XCell bietet sich in der Exsudations- und Granulationsphase an. Durch die Wundauflage kommt es zu einer Aktivierung des autolytischen Debridements, und damit zu einer beschleunigten Wundreinigung. Der gleichmäßige Feuchtigkeitsfilm schafft ein günstiges physiologisches Milieu und fördert die Granulation.

Vertrieb durch: XCell, Div. of EAM European American Medical GmbH, Diessen

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Antimikrobiell und semitransparent – GLYCOcell + SondoFIX
 

GLYCOcell ist eine Gel-Wundauflage von der Größe 10 x 10 cm. Das Gel befindet sich innerhalb einer Sterilverpackung in einer Kunststoff-Formschale. Aus dieser Schale kann die Gel-Wundauflage als Ganzes leicht herausgelöst werden und wird dann mit der Gel-Seite auf die Wunde gelegt. Auf der Rückseite des Gels befindet sich ein semipermeables, hypoallergenes Klebepflaster der Firma 3M, so dass keine weitere Fixierung der Wundauflage notwendig ist.

SondoFix ist ein dreieckiger Glycogel-Sondenverband mit einer Einschlitzung, die in einem Loch mündet. Das Gel ist auf ein hypoallergenes Klebepflaster aufgebracht. Der Glycogel-Sondenverband wird mit Hilfe der Einschlitzung ganz einfach um eine Sonde herum platziert. Sie wird somit fest umschlossen und durch das hypoallergene Klebepflaster gut fixiert.

Das Glycogel besteht hauptsächlich aus Glycerin, es wirkt nachweislich antimikrobiell und kann bis zu 7 Tage auf der Wunde belassen werden. Die Wundauflage kann bis zum 4-fachen ihres Eigengewichtes an Wundsekret aufnehmen und hält die Wunde in einem optimalen feuchten Milieu. Die stark wasserziehende Wirkung des Glycerin nimmt das Wundsekret auf, schließt es sicher ein und hemmt so das Wachstum von Bakterien und Pilzen, führt also zu einer schnelleren Wundheilung. Zudem wirkt das Gel kühlend und geruchsbindend.

 
Vertrieb durch: Medi-Globe GmbH Achenmühle nach oben

Wirkstofffreie, physikalische Wundreinigung infizierter Wunden mit Cutisorb Sorbact
 

Cutisorb Sorbact dient der raschen Bindung und effektiven Entfernung von Bakterien und anderen Mikroorganismen aus exsudierenden, kontaminierten oder infizierten Wunden. Der Verband besteht aus Gewebe, das mit einem stark hydrophoben (wasserabweisenden) Fettsäurerest Dialkylcarbamoylchlorid (DACC) beschichtet ist.

Das Sorbact-Prinzip basiert auf dem rein physikalischen Effekt der hydrophoben Wechselwirkung, dass hydrophobe Substanzen sich in wässeriger Lösung aneinander lagern. Da die meisten pathogenen Keime hydrophobe Eigenschaften aufweisen, binden diese schnell an Cutisorb Sorbact.

Es sind bisher weder Nebenwirkungen oder Risiken von zytotoxischen, allergischen oder anderen Unverträglichkeitsreaktionen bekannt. Da die Wirkung ausschließlich auf einem physikalischen Effekt beruht, besteht auch keine Gefahr, dass zu einer Resistenzbildung bei Mikroorganismen kommt.

Während die Cutisorb Sorbact Kompressen und Tupfer aus imprägniertem Actetagewebe bestehen, enthalten die Saugkompressen zusätzlich eine Saugschicht aus Zellulose. Die Tamponaden bestehen aus imprägniertem Baumwollgewebe.

Cutisorb Sorbact ist im Vertrieb von BSN medical GmbH & Co. KG Hamburg.

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Effekt der Wundauflage auf die Abheilgeschwindigkeit chronischer Wunden
 
Vortrag von Pfeffer, F.; Riediger, H.; von Dobschuetz E.
 

Zielsetzung: Die Behandlung chronischer Wunden stellt eine große Herausforderung dar. Das Prinzip der feuchten Wundbehandlung ist im Allgemeinen akzeptiert. Wundauflagen sind jedoch nur unzureichend auf ihre Effektivität überprüft. Deshalb war es das Ziel, den Einfluss verschiedener Wundauflagen auf die Abheilungsgeschwindigkeit bei chronischen Wunden zu überprüfen.

Material und Methoden: Im Zeitraum von 9/1998 bis 10/2001 wurden in 10 Wundzentren bei 4109 Patienten 6958 Wunden und 32573 Untersuchungen dokumentiert. Alle Zentren arbeiten mit vergleichbaren Therapiestandards nach dem Prinzip der feuchten Wundbehandlung. Die Daten werden mit einem elektronischen Dokumentationssystem prospektiv erfasst, zentral gesammelt und analysiert. Um vergleichbare Wunden zu selektieren, wurden nur Wunden ausgewählt die folgende Kriterien aufwiesen: 3 und mehr Untersuchungen; initiale Wundfläche zwischen 2 - 50 cm²; Dokumentationsintervall zwischen 2 und 14 Tagen, initiale 90 Behandlungstage, Abheilgeschwindigkeiten -3 und 3 cm²/Woche, abgeheilter Wundstatus. Die Abheilgeschwindigkeit wurde als Flächenabnahme in cm² pro Woche berechnet.

Ergebnisse: Die Verteilung der Diagnosen war wie folgt: Diabetischer Fuß n = 1735, Ulcus cruris n = 1314, arterielle Verschlusskrankheit n = 1134, postoperative Wunden n = 777 und andere n = 1998. Die Kriterien wurden bei 657 Patienten und 2706 Wunden mit 8839 Untersuchungen erfüllt.

Abheilgeschwindigkeiten der verschiedenen Wundauflagen/Lokaltherapeutika:

Wundauflage
Abheilgeschwindigkeit (cm²/Woche)
Anzahl der Untersuchungsintervalle
 
 
 
Alginate
0,45 ± 1,2 
135
 
 
 
Lokales Antiseptikum 
0,33 ± 0,9
50
 
 
 
Vakuumversiegelung  
0,29 ± 1,2
84
 
 
 
Hydrokolloid
0,25 ± 0,9 
427
 
 
 
Schaumstoff  
0,25 ± 1,0 
61
 
 
 
NaCl-Kompresse
0,21 ± 1,0  
819
 
 
 
Trockene Wundbehandlung
-0,06 ± 0,7
207

Zusammenfassung: Durch große Patientenzahlen ist es möglich, vergleichbare Wunden zu selektieren. Feuchte Wundbehandlung führt im Vergleich zu trockener Wundbehandlung zu einer signifikant schnelleren Wundheilung. Der Einsatz lokaler Antiseptika hat keinen negativen Effekt auf die Abheilgeschwindigkeit. Bezüglich der feuchten Wundbehandlung finden sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den eingesetzten Wundauflagen.

Chirurgische Univ.-Klinik Freiburg, Allgemein- und Viszeralchirurgie, Hugstetter Str. 55,79106 Freiburg

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Kassen haben kein Recht auf Einsicht in die Pflegedokumentation
 
Wie in Schleswig-Holstein bekannt wurde, setzt die AOK Mitarbeiter als Pflegeberater ein, die während Hausbesuchen bei ambulant gepflegten Versicherten Einsicht in die Pflegedokumentation nehmen. Dies widerspricht einer aktuellen Stellungnahme des Bundesbeauftragten für Datenschutz zufolge den Datenschutzbestimmungen und ist somit rechtswidrig. „Eine Einsichtnahme in die Pflegedokumentation bzw. der Wunsch nach Übermittlung derselben ist nach Aussagen des Bundesbeauftragten selbst dann rechtswidrig, wenn der Versicherte eine Einverständniserklärung abgegeben hat“, sagt der Jurist und Sozialrechtsexperte Ronald Richter, der bei Bekanntwerden der Praktiken der AOK Schleswig-Holstein im April 2004 den Bundesbeauftragten einschaltete.

Die Pflegedokumentation stellt demzufolge keine Abrechnungsunterlage im Sinne des § 115 Abs. 1 SGB XI dar. Für die Weitergabe der Pflegedokumentation an die Pflegekasse selbst bzw. für eine über den dargestellten Umfang hinausgehende Einsichtnahme durch Mitarbeiter der Pflegekasse bestehe weder eine rechtliche Grundlage noch ein Bedarf.

Eine offizielle Stellungnahme der Krankenkasse lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor. Dieter Konietzko, Sprecher der schleswig-holsteinischen AOK, äußerte sich jedoch gegenüber der Wochenzeitung CAREkonkret: „Man wird überlegen müssen, ob man damit einverstanden ist." Es könne doch nicht sein, so Konietzko weiter, dass die Krankenkassen immer die Dummen seien. Den Kassen müsse die Möglichkeit der Überprüfung vorbehalten sein.

Die AOK muss nach Aussagen Richters mit weit reichenden Konsequenzen rechnen. „Es ist durchaus möglich", so Richter, „dass sich auf Verlangen des Datenschutzbeauftragten Schleswig Holsteins die Staatsanwaltschaft einschaltet und gegen die einzelnen Pflegeberater ermittelt."

 
Quelle: HÄUSLICHE PFLEGE 08/2004; sts nach oben