Die Bedeutung der Nass- / Trockenphase während der Wundreinigung
Kammerlander, G.; Andriessen, A.; Asmussen, P.; Brunner, U.; Eberlein, T.:
Role of the wet-to-dry phase of cleansing in preparing the chronic wound bed for dressing application
Journal of Wound Care, Vol 14, No 8, September 2005: 349-352
Die Wundreinigung sollte schonend und effektiv durchgeführt werden. Das bezieht sich auf den eigentlichen Reinigungsprozess als auch auf die eingesetzten Wundauflagen.
Ziele eines Debridement und / oder Wundreinigung sind folgende:
- Reduktion oder vollständige Entfernung von Fremdkörpern, Zelltrümmern, verletztem und infiziertem Gewebe.
- Hilfe bei der Einschätzung der genauen Wundgröße und -tiefe.
- Überführung einer nekrotischen Wunde in eine saubere akute Wunde.
- Schutz des Patienten vor Mikroorganismen und Infektionen (lokal und systemisch).
- Schutz des Wundrandes und der wundumgebenden Haut vor Mazerationen und Ekzemen.
Mit Hilfe der Nass- / Trockenphase können diese Ziele erreicht werden.
Durchführung:
Während der ersten Phase (Nassphase) wird die Wunde und die wundumgebende Haut mit einem feuchten Umschlag für ca. 15 bis 60 Minuten abgedeckt (Abb. 1). Die Dauer richtet sich nach dem Entzündungsgrad. Für eine oberflächliche Standardreinigung sind 10 15 Minuten ausreichend, bei einer schweren Entzündung muß die Zeitdauer verlängert werden.
Als Feuchtigkeitsspender eignen sich zwei oder drei Lagen Gaze oder ungewebtes Material, wie z.B. Hydrofaser-Wundauflagen. Die Fixierung erfolgt mittels Schlauchverband oder Fixierbinde.
Durch die Verdunstung der Flüssigkeit kommt es zu einer Reinigung und Kühlung der Wunde (Evaporation). Die Folge ist eine Reduktion der Entzündungsreaktion (Abb. 2).
Die applizierte Reinigungsflüssigkeit sollte klinisch effektiv und nichttoxisch sein. Beispiele sind isotonische Kochsalzlösung oder Ringerlösung.
Bei lokalen Infektionen können antiseptische Lösungen eingesetzt werden. Die Substanzen sollten schnell wirksam sein. Iod und Octenidin sind vergleichbar in ihrer Wirksamkeit gegenüber Bakterien. Octenidin ist allerdings wirkungslos gegenüber Sporen und Protozoen.
Iod ist gewebeverträglicher als eine Kombination aus Octenidin und Phenoxyethanol (= Octenisept Anmerkung von HoppeConsult) oder Chlorhexidin-Präparate, noch gewebeverträglicher sind allerdings Polyhexanid und Taurolidin.
In der Trockenphase wird die Wunde mit einer sterilen Wundgaze für 15 Minuten abgedeckt. Ziel ist die Herstellung der Integrität der wundumgebenden Haut und eine weitere Wundreinigung.
Im Anschluss daran erfolgt die Abdeckung mit einer modernen Wundauflage, entsprechend dem Wundtyp und der Wundheilungsphase. Auch darunter setzt sich die Evaporation fort (Abb. 3).