Gesundheitswirtschaft: Ausgaben für Diabetes steigen

 

von Stefanie Kreiss, Hamburg

 

Die Kosten für die Behandlung der Volkskrankheit Diabetes werden das deutsche Gesundheitssystem immer stärker belasten. Dies ist das Ergebnis einer bislang unveröffentlichten Studie einer Forschungsgruppe der Universität Köln.

 

Für das Jahr 2010 muss nach Einschätzung der Forscher mit einem Anstieg der Zahl der Erkrankten von derzeit sechs Millionen auf rund zehn Millionen Patienten gerechnet werden. Daraus errechnet sich ein Anstieg der Ausgaben für Krankenversorgung und Pflegeversicherung auf rund 25 Mrd. Euro. Hinzu kommen indirekte Kosten durch Arbeitsunfähigkeit und Frühberentung in Höhe von etwa 13 Mrd. Euro.

"Wir brauchen groß angelegte Präventionskampagnen, um diese Entwicklung aufzuhalten", sagt Hans Hauner, Professor für Ernährungsmedizin in München und einer der Autoren der Analyse. "Wenn nichts getan wird, kommen sehr große finanzielle Belastungen auf die Volkswirtschaft zu." Basis der Studie sind die Daten von rund 306.700 Versicherten der Allgemeinen Ortskrankenkasse und der Kassenärztlichen Vereinigung in Hessen aus dem Jahr 2001.

 

Als Kostentreiber sind nach den Erkenntnissen der Wissenschaftler vor allem Begleitkrankheiten anzusehen. So fielen 2001 Kosten für die Krankenversorgung in Höhe von 12,8 Mrd. Euro an. Davon entfielen 9,6 Mrd. Euro auf die Behandlung der Folgekrankheiten und nur 3,2 Mrd. Euro auf die Therapie der Grunderkrankung.

Steigende Krankheitszahlen

Besonders beunruhigend ist nach Meinung der Forscher, dass vermutlich zunehmend jüngere Menschen von der Krankheit betroffen sein werden. Ableiten lasse sich das aus der erheblichen Zunahme der Fettleibigkeit unter Kindern und Jugendlichen. Die Folge sei vermutlich eine Zunahme der Zahl der Diabetiker in berufsfähigem Alter. Und damit verbunden ein wesentlich stärkerer Anstieg der indirekten Kosten beispielsweise durch längere Arbeitsunfähigkeit.

Ein erster Schritt zur Vermeidung von Folgeschäden ist die konsequente Therapie der Grunderkrankung, so Diabetes-Experte Hauner. Dazu gehöre, sich ausgewogen zu ernähren und Sport zu treiben. Viele Erkrankte achteten aber nicht ausreichend auf eine gesunde Lebensweise. Deshalb seien gezielte Aufklärungsprogramme vonnöten.

Diabetes gilt als eine der großen Volkskrankheiten. Internationale Schätzungen gehen von einer Verdoppelung der Zahl der Diabetiker im Zeitraum von 1995 bis 2025 aus. Die Zuckerkrankheit kann mit schweren Komplikationen wie Fußerkrankungen, Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenschäden einhergehen.

 

Aus der FTD vom 28.07.2005

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