Juli 2006

Können Ärzte und Pflegepersonal Wunden zuverlässig beurteilen?
Die Bedeutung von kontinuierlicher Wundgrössenmessung
Vorhersage und Monitoring der Therapieantwort bei chronischen Hautdefekten
Kriterien zur Wunddokumentation. Literaturanalyse
 
Festbeträge für Kompressions-Hilfsmittel
Versorgungsleitfaden zur „Auswahl von Hilfsmitteln gegen Dekubitus“

Können Ärzte und Pflegepersonal Wunden zuverlässig beurteilen?

Vermeulen H., Schreuder S., Lubbers M., Ubbink D.
Inter- and intra-observer agreement among doctors and nurses in the classification of open wounds
9. Kongreß der DGfW, Stuttgart 2005: V40-2

Fragestellung: Inwieweit stimmt die Beurteilung offener Wunden durch Ärzte und Pflegepersonal bezüglich der Wahl des Verbandsmaterials überein (Kongruenz). Eine inkorrekte oder unterschiedliche Klassifizierung kann zu einer unzureichenden Wundversorgung führen. Im Academic Medical Center, Department of Surgery, Amsterdam (Niederlande) wurde die Kongruenz bei Ärzten und Pflegepersonal gemäß dem Rot-Gelb-Schwarz (RGS) Schema untersucht und somit ihre Wahl für das Verbandsmaterial.

Methodik: Offene Wunden chirurgischer Patienten wurden mit einer Digitalkamera fotografiert. Ein internationales Expertengremium mit ausreichender Erfahrung in der Wundpflege wählte 18 repräsentative Bilder aus und klassifizierte diese. Anschließend mußten die Ärzte und das Pflegepersonal der chirurgischen Station die Bilder auf Grund der Verfärbung der Wunde und deren Sekretmenge klassifizieren, sowie die Wahl des Verbandsmaterials vornehmen. Zur Einschätzung der Kongruenz erfolgte die Berechnung der Kappa-Zahl der Gruppen (k), zwischen Ärzten und Pflegepersonal, sowie mit dem internationalen Expertenforum.

Ergebnisse: Insgesamt 79 Ärzten beurteilten die Bilder. Ihre Kongruenz für die Verfärbung der Wunde (k = 0.61; 95% Zuverlässigkeitsintervall (ZI) 0.49 bis 0.73) und für die Sekretmenge (k = 0.48; 95% ZI: 0.36 bis 0.61) war gut bis moderat. Die Kongruenz für die 63 Personen des Pflegepersonals war gleichartig. Das Alter und die Erfahrung der Ärzte korrelierten positiv mit der Bewertung oder Klassifizierung der Wunden gemäß dem RGS-Schema. Die Kongruenz für die Wahl des Verbandsmaterials war sehr schwach (k = 0.07 bis 0.23) . Das Pflegepersonal zeigte die beste Kongruenz in der Wahl für das klassische Verbandsmaterial (k = 0.23; 95% ZI 0.15 bis 0.31).

Schlussfolgerungen: Die Wahl der Verbandsmaterialen lässt Raum für Verbesserungen und dem Training von Ärzten und Pflegepersonal. Das Rot-Gelb-Schwarz-Schema bewährt sich zur Beurteilung von offenen chirurgischen Wunden und ist ein gutes Leitsystem zur Auswahl der Verbandsmaterialen.

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Die Bedeutung von kontinuierlicher Wundgrössenmessung

Gethin G.
The importance of continuous wound measuring
Wounds UK 2006, Vol. 2, No. 2: 60-68

Vorteile einer regelmäßigen Wundgrössenmessung:

  1. Bestandteil der initialen Wundbeurteilung
  2. Nachweis einer erneuten Beurteilung
  3. Beitrag zu einer verbesserten Kommunikation zwischen Ärzten und Pflegepersonal
  4. objektive Form der Wundbeurteilung
  5. erhöht die Qualität der Patientenpflege
  6. kontrolliert die Behandlungseffizienz
  7. Nachweis und Rechtfertigung der Kosten einer spezifischen Therapie
  8. hilft bei der Prognose des Heilungsverlaufs
  9. verbessert insgesamt das Wundmanagement

Empfohlene Methoden zur Wundgrössenmessung:

  • Acetat-Methode: Eine zweilagige, durchsichtige Folie wird auf der Wunde appliziert und die Wundränder werden nachgezeichnet. Die untere, auf dem Defekt aufliegende Folie wird verworfen und die obere Folie mit dem Wundumriß wird Bestandteil der Dokumentation. Die obere Folie ist zum Teil auch mit einem Quadratraster bedruckt, so dass sehr schnell und einfach die Schnittpunkte der Quadrate ausgezählt und die Wundfläche relativ exakt ermittelt werden kann.
  • digitale Planimetrie: Die digitale Planimetrie nutzt die Folien der Acetat-Methode. Es erfolgt eine Applikation der Folie mit dem aufgezeichneten Wundumriß auf ein digitales Tablett. Durch Umfahren des Wundumfanges mit einem Taststift wird elektronisch die Wundfläche ermittelt.

Die Ermittlung der Wundtiefe ist sehr schwierig. Eine einfache Methode ist der Einsatz eines Stabes zur Messung der tiefsten Stelle einer Wunde, allerdings auch sehr ungenau. Exakter ist eine Volumenmessung, deren Ergebnis in Beziehung zur Wundfläche gesetzt wird.

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Vorhersage und Monitoring der Therapieantwort bei chronischen Hautdefekten

Moore K, McCallion R, Searle RJ, Stacey MC, Harding KG.
Prediction and monitoring the therapeutic response of chronic dermal wounds
International Wound Journal 3 (2), 2006: 89-96

Ein signifikanter Anteil von chronischen Wunden ist resistent gegen die lokale Behandlung und die Therapie der zugrunde liegenden Erkrankung. Übliche prognostische Testparameter zur Identifikation derartiger Wunden gründen sich auf Algorithmen, die die Wunddauer und die Wundgröße beinhalten. Innerhalb einer 24wöchigen Kompressionstherapie heilen venöse Ulcera cruris mit einer Wundgröße unter 10 cm² und einer Defektdauer unter 12 Monaten mit einer Wahrscheinlichkeit von 81%. Ulcera mit einer Größe über 10 cm² und einer Dauer über 12 Monate haben dagegen eine Abheilchance von nur 22%. Bei diabetischen Fußulcera konnten die gleichen Beziehungen festgestellt werden. Für diabetische Ulcera werden Algorithmen mit drei Parametern genutzt: Wunddauer, Wundgröße und Wundklassifikation.

Die akkurate Messung der Wundfläche ist der beste Parameter mit klinischer Relevanz. Deshalb ist die Erfassung des Parameters Wundfläche innerhalb der ersten Behandlungswochen von großer Bedeutung. Hierdurch kann die  Effizienz der Behandlung gut eingeschätzt und ggf. eine Änderung der Therapiestrategie vorgenommen werden.

Die retrospektive Analyse von großen Patientenkollektiven (56488 Wunden) zeigt, dass mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 75% eine korrekte Vorhersage für die Heilung von Wunden mit derartigen Algorithmen möglich ist.

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Kriterien zur Wunddokumentation. Literaturanalyse

Eva-Maria Panfil und Eva Linde
März 2006, Hessisches Institut für Pflegeforschung (HessIP)

Diese Literaturanalyse wurde im Auftrag der DGfW e.V. erstellt.

Quelle: http://www.dgfw.de/index_9_aktuelles.html

Schlussfolgerungen 

1. Welche Kriterien beschreiben Wundverläufe?

Es gibt derzeit keinen Konsens, welche Wundparameter akkurat den Grad an Wundheilung prognostizieren und damit auch eine Therapieevaluation erlauben. Trotzdem wird in allen Prognosemodellen und Wundheilungstools die Wundgröße übereinstimmend als wesentlicher Faktor für die Bewertung und Prognose der Wundheilung und der Differenzierung zwischen heilenden und nicht heilenden Wunden gewertet. Deswegen kommt ihr als Dokumentationskriterium erhebliche Bedeutung zu.

2. Wie sind diese Kriterien valide und reliabel messbar?

Zur Messung der Wunddauer und –lokalisation existieren keine Studien. Hier hat sich das übliche Verfahren der Zeitmessung in Tagen, Wochen etc. und die Beschreibung auf Basis der anatomischen Nomenklatur oder Körperumrisszeichnungen etabliert. Die Wundgröße kann mit Lineal oder Tracings plus Planimetrie ausreichend valide und reliabel erfasst werden. Zur Erhebung der Wundtiefe und Unterminierungen/ Tunnel werden sterile Materialien empfohlen. Fotos werden zur Größenmessung auf Basis der Literatur nicht befürwortet, da sie für großflächige und zirkuläre Wunden nicht geeignet sind.  Das Wundstadium sollte im Rahmen eines anerkannten Klassifikationssystems beschrieben werden. Zur Validität und Reliabilität der Messungen von Exsudat, Geruch, Beschaffenheit der Wundränder und Wundumgebung und Mazeration konnten keine expliziten Studien gefunden werden. Insgesamt ist für alle Messmethoden zu konstatieren, dass deren Gültigkeit und Zuverlässigkeit bei erfahrenen Personen größer ist als bei unerfahrenen Personen. Prinzipiell sollte deswegen bei einer Entscheidung für ein Verfahren immer die Überlegung eingeschlossen werden, wer die Daten erheben soll. Die Häufigkeit der Dokumentation ist der Literatur nicht eindeutig zu entnehmen, sie schwankt zwischen mindestens wöchentlich und monatlich. 

3. Wie praktikabel sind die dazu benötigten Erhebungsmethoden?

Zur Praktikabilität der Messmethoden liegen kaum Daten vor. Größenmessungen mit Lineal und mechanischen Tracing sind vergleichsweise einfach (für geübte und erfahrene Personen), digitales Tracing ist etwas aufwendiger aber zeitlich kürzer. Für die Erhebung des Wundstadiums und des Gewebetyps ist ausreichend Erfahrung nötig, die Methode selbst ist vergleichsweise schnell anzuwenden.  Insgesamt setzen alle Kriterien, für die es keine standardisierten Messverfahren gibt, z.B. Exsudat und Geruch, eine ausreichende Erfahrung und Übung der Anwender voraus.

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Link zur Literaturanalyse: http://www.dgfw.de/index_9_aktuelles.html

Festbeträge für Kompressions-Hilfsmittel

Quelle: BVMed-Pressemeldung Nr. 24/06 vom 19. Juni 2006

Berlin. Die neuen Festbeträge für Hilfsmittel zur Kompressionstherapie werden am 1. Juli 2006 in Kraft treten. Die Bekanntmachung der Spitzenverbände der Krankenkassen über die Festsetzung der am 11. Mai 2006 im Beschlussgremium verabschiedeten Festbeträge für Kompressions-Hilfsmittel wird am 20. Juni 2006 in der Bundesanzeigerausgabe Nr. 112 veröffentlicht. BVMed-Mitglieder können die Festbeträge im Extranet einsehen (unter Downloads - Festbeträge).

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Versorgungsleitfaden zur „Auswahl von Hilfsmitteln gegen Dekubitus“

Quelle: BVMed-Pressemeldung Nr. 45/06 vom 28. Juni 2006

Berlin. Das Dekubitus-Forum des Bundesverbandes Medizintechnologie, BVMed, hat einen Versorgungsleitfaden „Auswahl von Hilfsmitteln gegen Dekubitus“ erarbeitet und als Broschüre veröffentlicht. Der Leitfaden soll die Auswahl von Hilfsmitteln gegen Dekubitus erleichtern und nachvollziehbar machen. Er enthält Erklärungen der Wirkprinzipien für Antidekubitus-Systeme, ein Glossar sowie Ausführungen zur Verordnungs- und Erstattungsfähigkeit.

Der Versorgungsleitfaden richtet sich an die Sanitätshäuser, die die Auswahl der Antidekubitus-Systeme zu verantworten haben, und die Sachbearbeiter bei den Krankenkassen, aber auch an Ärzte, Pflegekräfte, Physio- sowie Ergotherapeuten. Ein geeignetes Produkt wird dabei auf Basis der beim Patienten vorliegenden Risikofaktoren ausgewählt. Durch die individuelle risikoorientierte Produktauswahl kann die Qualität der Versorgung verbessert werden, womit ein maßgeblicher Beitrag zur Qualitätssicherung geleistet werden soll, so der BVMed.

Die Broschüre „Versorgungsleitfaden - Auswahl von Hilfsmitteln gegen Dekubitus“ kostet 3,95 Euro/Stück zzgl. 7% MwSt. und Versand (ab 10 Exemplare á 2,50 Euro; ab 100 Exemplare á 1,50 Euro). Bestellungen können unter www.bvmed.de (Publikationen – Hilfsmittel) vorgenommen werden. Der Direktlink vom 28.06.2006 lautet: www.bvmed.de/publikationen/publ_hilfsmittel/.

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