Oktober 2006

Bakterielle Besiedlung von chronischen Wunden
Applikation von EGF kann Amputationen bei Diabetikern verhindern
Validierung einer chirurgischen Klassifikation des diabetischen Fußes
Gesundheitsbericht des RKI: "Gesundheit in Deutschland"
Dekubitus-Forum des BVMed
 
Industrienachrichten
Hydrotüll (Paul Hartmann AG)
sorbion plus (sorbion deutschland GmbH & Co. KG)
Vliwaktiv Ag (Lohmann & Rauscher GmbH & Co. KG)
Tielle Max (Johnson & Johnson Wound Management)

Bakterielle Besiedlung von chronischen Wunden

Gjødsbøl K, Christensen JJ, Karlsmark T, Jørgensen B, Klein BM, Krogfelt KA.
Multiple bacterial species reside in chronic wounds: a longitudinal study
Int Wound J 2006; 3: 225–231

Ziel dieser Studie war, das bakterielle Profil chronisch venöser Ulzera zu untersuchen und deren Bedeutung für den Heilungsverlauf der Wunde darzustellen. Untersucht wurden Patienten mit venösen Beinulzera über einen Zeitraum von 8 Wochen. Jede zweite Woche wurden Proben aus den Ulzera entnommen und mikrobiologisch untersucht.

In allen Ulzera wurde eine polymikrobielle Besiedlung festgestellt. Am häufigsten wurden Staphylococcus aureus (93,5% aller Wunden), Enterococcus faecalis (71,7%), Pseudomonas aeruginosa (52,2%), koagulase negative Staphylococci (45,7%), Proteus species (41,3%) und anaerobe Bakterien (39,1%) nachgewiesen. In 76% wurden zwei oder mehr (bis zu 5) Bakterienspecies nachgewiesen. Die am meisten kolonisierenden Bakterien waren Staphylococcus aureus und Pseudomonas aeruginosa. Darüber hinaus waren mit Pseudomonas aeruginosa kolonisierten Wunden signifikant größer als Wunden ohne Nachweis von Pseudomonas.

Die Studie demonstrierte, dass chronische Wunden von mehreren Bakterienarten besiedelt sind und in der Wunde verbleiben können. Die Ergebnisse zeigen zudem, dass die Anwesenheit von Pseudomonas aeruginosa in venös bedingten Ulzera eine Wundvergrößerung und/oder eine verzögerte Wundheilung auslösen.

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Applikation von EGF kann Amputationen bei Diabetikern verhindern

Acosta JB, Savigne W, Valdez C, Franco N, Alba JS, del Rio A, López-Saura P, Guillén G, Lopez E, Herrera L, Férnandez-Montequin J.
Epidermal growth factor intralesional infiltrations can prevent amputation in patients with advanced diabetic foot wounds.
Int Wound J 2006; 3: 232–239

Ziel: Es wird der Frage nachgegangen, ob eine Applikation von EGF (epidermal growth factor = epidermaler Wachstumsfaktor) den Heilungsprozess von Fußulzera bei Diabetikern beeinflussen kann.

Material und Methoden: 29 stationäre Patienten mit Diabetes und neuropathischen (6 Patienten) oder ischämischen Läsionen (23 Patienten) und einem erhöhten Amputationsrisiko wurden in einer nichtkontrollierten Pilotstudie am Nationalen Institut für Angiologie in Havana behandelt. Die Läsionen, nach der Wagner-Klassifikation im Stadium 3 (10 Patienten) oder 4 (19 Patienten), wiesen eine Größe von > 20 cm² und bestanden seit mehr als 25 Tagen oder waren persistierende Wunden nach Amputation mit einer Größe von > 30 cm² und seit mehr als 15 Tage bestehend. Trotz umfassender Wundbehandlung trat keine Heilung ein. 25 µg EGF, gewonnen mittels rekombinanter DNA-Technologie, wurden 3 mal wöchentlich bis zur 8. Woche (24 Applikationen) in die Wunden geträufelt. Die Wundheilung wurde während der Behandlung sowie 1 Jahr nach der Entlassung aus dem Krankenhaus dokumentiert.

Ergebnisse: 86% der behandelten Patienten entwickelten Granulationsgewebe ab der 8. Behandlung. Histologische Untersuchungen zeigten zu diesem Zeitpunkt die Bildung einer umfangreichen Wundmatrix, eine vermehrte Zellproliferation und Angiogenese. Bei 17 (58,6%) von den 29 behandelten Patienten konnten eine Amputation verhindert werden. Während der stationären Behandlung von durchschnittlich 66,5 Tagen (+/- 4,9 Tage) lag die Reepithelisierungsrate bei 71,1% (+/- 18.3%). Nach einem Jahr trat lediglich in einem Fall eine erneute Wunde auf.

Schlussfolgerung: Die vorläufigen Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine lokale EGF-Applikation einen effektiven Beitrag zur Senkung der Amputationsrate bei Diabetikern leisten kann.

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Validierung einer chirurgischen Klassifikation des diabetischen Fußes

Armstrong DG, Lavery LA, Frykberg RG, Wu SC, Boulton AJM.
Validation of a diabetic foot surgery classification
Int Wound J 2006; 3: 240–246

Ziel dieses Projektes war die Evaluierung von Korrelationen zwischen chirurgischer Maßnahmen beim diabetischen Fuß mit den postoperativen Resultaten. Das Projekt war als eine retrospektive Kohortenstudie angelegt und wurde von drei großen Referenzzentren, die sich auf die Behandlung diabetischer Füße spezialisiert haben, durchgeführt. Die Untersucher dokumentierten 180 Diabetiker, darunter 76,1% männliche Patienten, das Alter variierte zwischen 57,8 +/- 11,2 Jahren.

Die Patienten (jeweils 45) wurden in vier zuvor festgelegte chirurgische Klassen (Klassifikation nur für neuropathische Genese) eingeteilt:

  • Klasse 1 (elektiv = Sensorik noch intakt),
  • Klasse 2 (prophylaktisch = Sensorik gestört, keine offene Wunde),
  • Klasse 3 (kurativ = offene Wunde) und
  • Klasse 4 (Notfall = klinische Infektion).

Es zeigte sich ein signifikanter Trend mit einem steigenden Risiko bezüglich Ulzerationen/Rezidive (p = 0,0001), postoperativer Infektionen (p = 0,0001), Gesamtamputationen (p = 0,001) und Majoramputationen (p = 0,003) bei zunehmender chirurgischer Klassifikation.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass eine Klassifikation ohne Berücksichtigung des Gefäßstatus unter Berücksichtigung von Variablen wie Neuropathie (Sensorik), offene Wunden und akute Infektion bereits voraussagende Faktoren zur Beurteilung prä- und postoperativer Komplikationen darstellen. Dies sollte den Chirurgen dazu anhalten, das Risikoprofil bei Patienten mit diabetischem Fußsyndrom vor einem chirurgischen Eingriff besser einzuschätzen.

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Gesundheitsbericht des RKI: "Gesundheit in Deutschland"

Quelle: Robert Koch-Institut (RKI) vom 18.09.2006

Steigende Lebenserwartung und gute Gesundheit, aber: immer noch zu viele Menschen rauchen, sind zu dick, bewegen sich zu wenig und trinken zu viel Alkohol. Das sind die Kernaussagen des Gesundheitsberichts "Gesundheit in Deutschland", den das Robert Koch-Institut im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit jetzt im Rahmen der Gesundheitsberichterstattung des Bundes (GBE) veröffentlicht hat.

Sechs Kapitel auf insgesamt 220 Seiten bieten einen allgemeinverständlichen Überblick über die gesundheitliche Situation der Bevölkerung und das Gesundheitswesen in Deutschland und zeichnen Entwicklungen der letzten zehn Jahre auf: Wie steht es um unsere Gesundheit, welche Faktoren beeinflussen die Gesundheit, was leistet das Gesundheitswesen für Prävention und Gesundheitsförderung, wie haben sich Angebot und Inanspruchnahme in der Gesundheitsvorsorgung verändert, wie viel geben wir für unsere Gesundheit aus, wie können sich Patientinnen und Patienten informieren und an Entscheidungen beteiligen?

Die wesentlichen Datenquellen, auf die sich der Bericht stützt, werden online im Gesundheitsinformationssystem der Gesundheitsberichterstattung (www.gbe-bund.de) für ergänzende Analysen und Recherchen zur Verfügung gestellt.

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Der Gesundheitsbericht ist in der Rubrik Gesundheitsberichterstattung und Epidemiologie des RKI abrufbar: http://www.rki.de

Dekubitus-Forum des BVMed: „Hilfsmittelversorgung muss auf die Bedürfnisse der Patienten zugeschnitten sein“

BVMed-Pressemeldung Nr. 59/06 vom 18. September 2006
http://www.bvmed.de/presse.php?10884

Verträge für Hilfsmittel gegen Dekubitus zwischen Krankenkassen und Leistungserbringern sollten sich künftig nach der siebenstelligen Struktur der neuen Produktgruppe 11 (PG 11) des Hilfsmittelverzeichnisses (HMV) und nicht mehr nach den Dekubitusstadien richten. Damit bietet die neue PG 11 erstmals die Chance, dass ein Patient mit einem Produkt versorgt wird, das auf seine individuellen Bedürfnisse abgestimmt ist. Darauf hat der Bundesverband Medizintechnologie, BVMed, in einer Informationsveranstaltung des Dekubitus-Forums in Berlin hingewiesen.

Weitere Informationen unter: DekubitusPG11.pdf nach oben

Industrienachrichten

Hydrotüll

Für die einfache Behandlung chronischer Wunden, wie etwa Ulcera cruris mixta, aber auch akuter Wunden hat HARTMANN eine Wundauflage entwickelt, die die positiven Eigenschaften klassischer Salbenkompressen mit moderner Technologie kombiniert.

Während die Salbe die Wundränder pflegt und Mazerationen vorbeugt, bilden die in der Salbenmasse eingelagerten Carboxymethylzellulose (CMC)-Partikel bei Kontakt mit Wundsekret ein Gel. Dieses schafft ein feuchtes Wundmilieu, das für den Heilungserfolg entscheidend ist. Es verhindert auch ein Verkleben mit der Wunde, so dass der Verbandwechsel schmerzlos verläuft.

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sorbion plus

Das Produkt "sorbion plus" (sorbion deutschland) ist eine Wundauflage, die sich in direktem Kontakt mit der Wunde als Wunddistanzgitter einsetzen lässt. Sie besteht aus einem synthetischem Material und enthält keine Zusatzstoffe, wie z.B. Vaseline. In Form einer perforierten Folie lässt sorbion plus Wundflüssigkeiten in den sekundär applizierten Verband durchtreten und homogenisiert seine Auflagefläche, indem der Sekundärverband in leichtem Abstand zur Wunde gehalten wird.

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Vliwaktiv Ag

Die Aktivkohle-Saugkompresse Vliwaktiv von Lohmann & Rauscher wird seit kurzem als Silber-Aktivkohle-Tamponade und -Kompresse angeboten.

Gemeinsam mit dem Wundexsudat werden Mikroorganismen aus der Wunde aufgenommen und in Vliwaktiv Ag gebunden. Durch Kontakt mit dem Exsudat werden in der Wundauflage Vliwaktiv Ag Silberionen freigesetzt und die gebundenen Mikroorganismen abgetötet.

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Tielle Max

Johnson & Johnson erweitert die Palette der Hydropolymer-Wundauflage Tielle um eine nicht-haftende Form. Das neue Produkt Tielle Max ist in drei Größen erhältlich. Tielle Max kann zerschnitten werden und eignet sich für schwach bis stark exsudierende Wunden.

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