November 2006

Indikationen und Wirkstoffauswahl zur antiseptischen Therapie sekundär heilender Wunden
Biokompatibilitätsindex silberhaltiger Wundantiseptika
Die Bedeutung der infizierten Problemwunde für den Hygieniker und Mikrobiologen sowie ökonomische Aspekte der chronischen Wunde
Phasengerechte, problemorientierte Wundversorgung
Neue BVMed-Infokarte "Erstattung von Hilfsmitteln gegen Dekubitus"
 
Neue Literatur
ABC der Wundheilung

Indikationen und Wirkstoffauswahl zur antiseptischen Therapie sekundär heilender Wunden

Kramer A, Müller G, Assadian O
GMS Krankenhaushyg Interdiszip 2006; 1(1):Doc32 (20060830)

Damit chronische Wunden in primär heilende Wunden überführt werden, muss neben dem geeigneten chirurgischen Vorgehen - insbesondere Wunddebridement - die Behandlung der auslösenden Grundkrankheit beachtet werden. In der Prophylaxe von Wundinfektionen, aber auch bei der Behandlung bestehender Wundinfektionen spielen Wundantiseptika eine wesentliche Rolle.

Solange eine klinisch manifeste Infektion auf die Wunde beschränkt ist und nicht hämatogen streut, ist die Indikation zur Anwendung von Wundantiseptika gegeben. Bei systemischer Beteiligung ist zusätzlich eine antimikrobielle Chemotherapie erforderlich.

Antiseptika sind nur nach sorgfältiger Indikationsstellung anzuwenden. Andernfalls können Störungen der Wundheilung resultieren. Für chronische schlecht heilende Wunden und für Verbrennungswunden ist Polihexanid als Mittel der 1. Wahl anzusehen. Auf Grund neuer in vitro Befunde ist allerdings Octenidin-Dihydrochlorid bezüglich seiner therapeutischen Breite Polihexanid überlegen. Diese Befunde machen die Ausweitung der Anwendung von Octenidin-Dihydrochlorid auch auf chronische Wunden in niedrigeren Konzentrationen als bisher üblich möglich.

Folgende Wirkstoffe sind zur Wundantiseptik als kritisch einzuordnen: Chlorhexidin, 8-Chinolinol, Nitrofural, Phenolderivate, Quats, Silbernitrat, Silbersulfadiazin, Tosylchloramidnatrium, Triclosan und Wasserstoffperoxid. Als obsolet für die Wundantiseptik sind Farbstoffe und organische Quecksilberverbindungen anzusehen.

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http://www.egms.de/en/journals/dgkh/2006-1/dgkh000032.shtml

Biokompatibilitätsindex silberhaltiger Wundantiseptika

Müller G, Kramer A, Karkour Y
GMS Krankenhaushyg Interdiszip 2006; 1(1):Doc31 (20060830)

Um die Wirksamkeit verschiedener Antiseptika miteinander vergleichen zu können, haben wir einen von uns als Biokompatibilitätsindex (BI) bezeichneten Quotienten eingeführt. Dieser Index berücksichtigt sowohl die Ergebnisse der In-vitro-Zytotoxizität, d.h. die Konzentration, bei der 50% der Zellen geschädigt werden (IC50), als auch die Mikrobiozidie, d.h. die Konzentration, bei der mindestens 5 log-Stufen Reduktion der Ausgangsdichte der eingesetzten Prüfmikroorganismen erzielt werden.

Für AgNO3 und Ag-SD ist kein BI-Wert zu berechnen, da die höchste geprüfte Wirkstoffkonzentration von 1% der Anwendungskonzentration entsprach und keine Reduktion der Ausgangserregerdichte auftrat. Der zu erwartende Wert müsste aber sehr viel kleiner als 0,002 sein. Sämtliche Ag-Präparate zeigten keine Reduktion der Ausgangsdichte von Staphylococcus aureus bei der Kontaktzeit von 30 min. Für kolloidales Silber in Form von mild silver protein (auf Ag bezogen) ergibt sich ein BI-Wert gegenüber Escherichia coli von 0,002, für Chlorhexidin 0,8, für PVP-Iod (auf Iod bezogen) 1,0, für Polihexanid 1,5 und für Octenidin 1,8, d.h. die Ag-haltigen Antiseptika besitzen innerhalb einer Kontaktzeit von 30 min keine antiseptische Wirkung. Sie sollten deshalb in der Praxis je nach Art der Wunde z.B. durch Polihexanid- , Octenidin- oder PVP-Iod-haltige Präparate ersetzt werden, die innerhalb von 30 min in geringerer Konzentration als der Anwendungskonzentration mikrobiozid wirksam sind.

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Die Bedeutung der infizierten Problemwunde für den Hygieniker und Mikrobiologen sowie ökonomische Aspekte der chronischen Wunde

Assadian O, Daeschlein G, Kramer A
GMS Krankenhaushyg Interdiszip 2006; 1(1):Doc30 (20060830)

Die Hauptaufgabe der Krankenhaushygiene besteht in der Bekämpfung von nosokomialen Infektionen. Die Hauptursachen für diese Infektionen liegen einerseits in der mehr oder weniger ausgeprägten Abwehrschwäche der Patienten, andererseits im Vorkommen von Infektionserregern im Krankenhaus und ihren Übertragungsmöglichkeiten. In Mitteleuropa beträgt die Inzidenz nosokomialer Infektionen rund 5%-10% aller Krankenhausaufenthalte. Die Folgen sind verlängerte Hospitalisierung, vermehrtes Leiden der Patienten, unbeherrschbare Infektionen sowie ein immenser Kostenaufwand für das Gesundheitssystem. Zusätzlich muss mit einer weiteren deutlichen Zunahme von Antibiotika-Resistenzen gerechnet werden, die vornehmlich in den entwickelten Ländern bereits zum Auftreten unterschiedlicher multiresistenter Krankheitserreger mit erheblichen infektionsepidemiologische Konsequenzen geführt haben.

Chronische Wunden sind ein ideales Reservoir für die Aufnahme und Weiterverbreitung von Problemerregern. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis chronische Wunden mit pathogenen Mikroorganismen besiedelt, dadurch in ihrem Heilungsprozess gestört und zugleich zur Quelle für die Übertragung auf andere Wunden werden. In diesem Sinne ist es ein wichtiges Anliegen der Hygiene, solche mikrobielle "Biotope" rechtzeitig zu erkennen, die Übertragung von Problemerregern zu verhindern und durch Ausheilung der Wunde die Quelle zu eliminieren. In diesem Beitrag sollen die wesentlichen Aspekte der Prävention, mikrobiologischen Diagnostik sowie der Therapie- und Prophylaxemöglichkeiten infizierter Problemwunden behandelt und die ökonomische Bedeutung chronischer Wunden für das Gesundheitssystem analysiert werden.

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http://www.egms.de/en/journals/dgkh/2006-1/dgkh000030.shtml

Phasengerechte, problemorientierte Wundversorgung

Gerber V
GMS Krankenhaushyg Interdiszip 2006; 1(1):Doc29 (20060830)

Der Grad der Evidence basierten einheitlichen Vorgehensweise ist niedrig, weil viele individuelle patientenbezogene Faktoren bei der Behandlung berücksichtigt werden müssen. Neben der Frage nach der Ursache für die Wunde, dem Einfluss auf das Wohlbefinden und die Compliance des Patienten sind auch Laborparameter zu berücksichtigen. Eiweißmangel und Elektrolytverschiebungen, Zink- und Vitaminmangel sowie eine gestörte Flüssigkeitsbilanz sollten behoben werden, um den gewünschten Erfolg zu ermöglichen.

Ebenso sind lokale Faktoren bei der Wundbeurteilung zu berücksichtigen wie

  • Sind Beläge auf der Wunde?
  • Gibt es Infektionszeichen?
  • Gibt es einen positiven bakteriologischen Befund?
  • Wie viel Exsudat sondert die Wunde ab?
  • Wie schmerzhaft ist die Wunde?
  • Wo ist die Wunde - hat die Lokalisation Einfluss auf die Therapiewahl?
  • Wie sieht der Wundrand aus?

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http://www.egms.de/en/journals/dgkh/2006-1/dgkh000029.shtml

Neue BVMed-Infokarte "Erstattung von Hilfsmitteln gegen Dekubitus"

BVMed-Pressemeldung Nr. 69/06 vom 24. Oktober 2006
http://www.bvmed.de/presse.php?10894

Der Bundesverband Medizintechnologie, BVMed, hat eine neue Informationskarte zur Erstattung von Hilfsmitteln gegen Dekubitus aufgelegt. Mit der Karte informiert der BVMed in Kurzform über die rechtlichen Grundlagen sowie Verordnungs- und Erstattungsfragen. Die neue BVMed-Infokarte ist im Internet unter www.bvmed.de (Publikationen/Infokarten) abrufbar und bestellbar. Bestellungen bis zu zehn Exemplaren sind kostenfrei möglich.

Die benötigten Hilfsmittel bei Liege- bzw. Druckgeschwüren sind zu Lasten der GKV verordnungs- und erstattungsfähig. Sie sind nicht apothekenpflichtig und bei allen Leistungserbringern, beispielsweise im Sanitätsfachhandel, erhältlich. Versicherte haben nach dem Gesetz (§ 33 SGB V) Anspruch auf Hilfsmittel gegen Dekubitus, wenn diese dazu dienen, den Erfolg der Krankenbehandlung zu sichern oder einer drohenden Behinderung vorzubeugen. Nach dem Hilfsmittelverzeichnis ist das u. a. der Fall, wenn bereits ein Dekubitalulzera vorliegt oder wenn durch Krankheit oder Behinderung ein dauerhaftes Liegen bzw. Sitzen erforderlich ist und zugleich ein erhöhtes Dekubitusrisiko vorliegt.

Der BVMed weist in der Infokarte darauf hin, dass auch bei Pflegebedürftigkeit oder Aufenthalt im Pflegeheim der Anspruch des Versicherten gegenüber der Krankenkasse uneingeschränkt bestehen bleibt.

Für den verordnenden Arzt ist es wichtig zu wissen, dass Hilfsmittel weder budget- noch richtgrößenrelevant sind. Die Hilfsmittel werden auf einem separaten Rezept verordnet. Dabei muss das Feld "7" angekreuzt und die genaue Diagnose auf dem Rezept angegeben werden. Die namentliche Verordnung eines Produktes ist im Einzelfall möglich.

Detaillierte Informationen zum Thema enthält die BVMed-Broschüre „Versorgungsleitfaden – Auswahl von Hilfsmitteln gegen Dekubitus“ unter

http://www.bvmed.de/publikationen/publ_hilfsmittel/ nach oben

Neue Literatur

ABC der Wundheilung

Grey JE und Harding KG (Hrsg.)
ABC of Wound Healing (in englischer Sprache)
Blackwell Publishing Ltd 2006, 50 Seiten, 161 Abbildungen
ISBN: 0-7279-1695-5

Im Buch „ABC der Wundheilung“ werden die Ursachen, Diagnose und Behandlung von unterschiedlichen Wundtypen beschrieben. Es enthält Detailinformationen zu chirurgischen Wunden, Verbrennungen, chronischen Ulzera sowie Infektionen und deren schnelle und effiziente Behandlung. Das Buch ist gut strukturiert, enthält sehr viele Abbildungen und ist für den Praxisalltag geschrieben.

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