August 2007

Julian, 13 Jahre, Pfleger in Vollzeit
Neue Therapien gegen Infektionen bei chronischen Wunden
Kosten der Wundbehandlung in Hull und East Yorkshire (Großbritannien)
Wie präzise ist die Evaluation chronischer Wunden durch medizinisches Personal?
Neue Literatur
Medizinprodukterecht

Julian, 13 Jahre, Pfleger in Vollzeit

Bernd Frye, Pressestelle
Private Universität Witten/Herdecke gGmbH

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 30.08.2007

Eine Wittener Studie erfasst ein in Deutschland bisher ausgeklammertes Thema: Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, die ihre Eltern pflegen. Erste Ergebnisse zeigen, dass diese Familien dringend Hilfen benötigen.
In einer bundesweit einzigartigen Studie haben Pflegewissenschaftler der Universität Witten/Herdecke unter der Leitung von Prof. Dr. Wilfried Schnepp über 80 Interviews in 34 Familien geführt, in denen ein Angehöriger chronisch erkrankt ist. Neben den Eltern wurden vor allem die Kinder, die sich um ihre pflegebedürftigen Angehörigen kümmern, zu ihrer Situation befragt. Ziel der jetzt begonnenen Untersuchung, die erneut vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird, soll ein Konzept sein, welches diese Kinder und ihre Familien spezifisch unterstützt. Entsprechende Initiativen fehlen derzeit in Deutschland völlig.
Wie viele pflegende Kinder es in Deutschland gibt, weiß niemand. Der Aufholbedarf hierzulande ist enorm, schaut man sich vergleichbare Zahlen aus Großbritannien an. Etwa 1,5% aller Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren versorgen dort laut einer Volkszählung von 2001 einen pflegebedürftigen Angehörigen. Das sind rund 175.000 Heranwachsende. "Überträgt man die Zahlen auf Deutschland, entspricht dies etwa 225.000 pflegenden Kindern hierzulande, eine Zahl, die uns durchaus realistisch erscheint", schätzt Sabine Metzing, Projektbeauftragte der Studie.

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www.wundheilung.net/News/2007/Julian.pdf nach oben

Neue Therapien gegen Infektionen bei chronischen Wunden

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 30.08.2007

Forscher wollen angeborenes Immunsystem der Haut nutzen

Offene Beine, diabetisches Fußsyndrom und Druckgeschwüre sind die schmerzhaften und gefährlichen Spielarten chronischer Wunden. Durch sorglosen und falschen Einsatz von Antibiotika resistent gewordene Erreger machen die Behandlung solcher Problemwunden schwierig und langwierig. Bei der Bekämpfung der problematischen Erreger setzen Forscher um PD Dr. Lars Steinsträßer, Juniorprofessor für molekulare Wundheilung und Gentherapie in der Klinik für Plastische Chirurgie und Schwerbrandverletzte der Ruhr-Universität im Bergmannsheil auf das angeborene Immunsystem. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert die Studie "Host Defense Peptide als Effektormoleküle des angeborenen Immunsystem der Haut und ihr Einfluss auf die Wundheilung" für zunächst zwei Jahre mit 230.000 Euro.

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Kosten der Wundbehandlung in Hull und East Yorkshire (Großbritannien)

Drew P, Posnett J, Rusling L, on behalf of the Wound Care Audit Team
The cost of wound care for a local population in England
Int Wound J 2007; 4: 149–155

Ziel dieser Studie war die Evaluierung der Wundheilungskosten des National Health Service in Hull und East Riding (Großbritannien). Informationen über Patienten mit Wunden und deren Behandlung wurden anhand einer Überprüfung im Juni 2005 zusammengetragen. Diese Daten wurden mit den einzelnen Abrechnungen im Gesundheitswesen und den zur Verfügung stehenden Ressourcen abgestimmt, um die gesamten Kosten des Wundmanagements in 2005 und 2006 abzuschätzen.

Bei 2199 erfassten Patienten wurden 3166 Wunden dokumentiert (1,4 pro Patient). 77,8% wurden ambulant von Gemeindeschwestern behandelt, 15,8% wurden in Krankenhäusern und 6,4% in Seniorenheimen versorgt. Bei einem von 4 stationären Patienten wurden Wunden nachgewiesen. Die durchschnittliche Wundheilungsdauer betrug zwischen 10,2 Wochen (chirurgische Wunden) und 26,4 Wochen (Ulcus cruris und Fußulzera). In einem von 8 Fällen war die Wunde infiziert (13%). Die geschätzten Gesamtkosten betrugen 21 Millionen Pfund. Der bedeutendste Kostenfaktor waren Wundkomplikationen, insbesondere wenn sie einen stationären Aufenthalt erforderten oder eine Entlassung verzögerten (53%). Der pflegerische Aufwand erforderte 102 Vollzeitkrankenschwestern und 61 stationäre Betten.

Wunden bedeuten eine erhebliche Belastung des Gesundheitssystems. Zur Kostenreduktion sind eine frühzeitige Diagnosestellung, das Erfassen des Ausmaßes und des Wundzustandes sowie adäquate Therapiemaßnahmen erforderlich, nicht zuletzt um kostenintensive Komplikationen in der Wundheilung zu vermeiden.

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Wie präzise ist die Evaluation chronischer Wunden durch medizinisches Personal?

Stremitzer S, Wild T, Hoelzenbein T.
How precise is the evaluation of chronic wounds by health care professionals?
Int Wound J 2007; 4: 156–161

Chronische Wunden sind eine zunehmende Herausforderung für Ärzte und Krankenversicherungen. Die Last der betroffenen Patienten bedingt durch Schmerzen aber auch durch Langzeittherapien und Abhängigkeit von Krankenpflegepersonal ist enorm. In anderen Fachgebieten der Medizin ist die überwiegend computerbasierte Dokumentation von diagnostischen Parametern an der Tagesordnung. Die akkurate Wunddokumentation wird jedoch oft vernachlässigt und ist limitiert auf ein Ausmessen der Wundgröße mittels Lineal und einer groben Fotodokumentation. Eine objektive Beurteilung der Läsionen durch Dokumentation der Wundgrundgranulation, des Fibrinbelages oder des Nekrosegrades erfolgt jedoch selten.

Das Ziel dieser Studie war es, die unterschiedlichen Ausprägungen in den Beurteilungen von chronischen Wunden zu untersuchen. Ein diabetisches Ulkus wurde von 16 verschieden Wundspezialisten beurteilt (8 Ärzte und 8 Krankenschwestern). Beurteilt wurde das Granulationsgewebe, Fibrinbeläge, Nekrosegrade, Größe und Tiefe der Wunde, sowie Wundränder und Wundexsudat. Anschließend sollten die therapeutischen Konsequenzen ermittelt werden.

Die Ergebnisse zeigten eine ausgeprägte Inhomogenität und eine ungewöhnlich große Bandbreite von unterschiedlichen Auffassungen wie in keinem anderen Bereich der medizinischen Diagnostik. Diese Variation betraf die getestete Ärztegruppe gleichermaßen wie die Gruppe der Krankenschwestern. Da die Therapieentscheidung des Spezialisten hauptsächlich auf der Beurteilung der Wundsituation beruht, kann eine suboptimale Einschätzung hier auch in einer suboptimalen Therapie resultieren. Dieses Problem tritt natürlich verstärkt auf, wenn die behandelnden Ärzte variieren. Hierdurch kann sich möglicherweise die Therapiedauer verlängern, wodurch der Patient nur unnötig zusätzlich belastet wird.

Es sind genau diese Umstände die für die enorme Kostensteigerung in diesem Bereich der Medizin verantwortlich sind. Das Ziel sollte sein, Technologien für eine objektive Wunddiagnostik im Bereich der chronischen Wunden anzuwenden, um mit anderen diagnostischen Bereichen gleichzuziehen.

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Neue Literatur

Medizinprodukterecht

BVMed-Taschenbuch „Medizinprodukterecht“ neu aufgelegt

Das gesamte Medizinprodukterecht mit einem Griff: Das BVMed-Taschenbuch „Medizinprodukterecht“ ist jetzt in überarbeiteter und ergänzter Neuauflage mit Stand Juli 2007 erschienen.

Das Taschenbuch enthält alle europäischen Richtlinien und relevanten deutschen Rechtstexte zum Bereich „Medizinprodukte“ sowie eine Einführung in das Rechtsgebiet.  

Die umfangreiche Aktualisierung wurde notwendig durch die „Neunte Zuständigkeitsanpassungsverordnung“ vom 31. Oktober 2006, die „Verordnung zur Änderung medizinprodukterechtlicher Vorschriften“ vom 16. Februar 2007 und das „Gesetz zur Änderung medizinprodukterechtlicher und sonstiger Vorschriften“ vom 14. Juni 2007, die zu umfangreichen nationalen Rechtsänderungen geführt haben.

Das Taschenbuch kann im Internet unter www.bvmed.de (Publikationen - Medizinprodukterecht) bestellt werden.

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